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Israel: Förderung globaler Bürgerschaft großgeschrieben – Dutzende Programme in der Durchführung

Von Mel Frykberg 

HAIFA (IDN*) – Israel trägt mit unterschiedlichen Initiativen zur Förderung der globalen Bürgerschaft bei. So hilft das Land ausländischen Studierenden aus dem Süden bei der Entwicklung von Lösungskonzepten für ihre Heimatstaaten. Als nützlich erweisen sich dabei die vielen Erfahrungen, die Israel mit seinen Hilfs- und Nothilfemaßnahmen in armen Ländern machen konnte.

Bereits Israels Gründungsvater David Ben Gurion hatte die Vision, mit der Weitergabe von Wissen und Ressourcen weltweit Gutes zu tun. Und die einstige Ministerpräsidentin Golda Meir erklärte später, dass kein anderes israelisches Projekt sie so sehr mit Stolz erfüllt habe wie "unser internationales Kooperationsprogramm".

Etliche israelische Universitäten bieten Studierenden in Entwicklungsländern Stipendien für die Studiengänge 'Öffentliche Gesundheit' und 'Landwirtschaft' an. Die internationale Pears-Stiftung, die eng mit israelischen Universitäten zusammenarbeitet, leistet infrastrukturelle Hilfe beim Aufbau des israelischen Entwicklungssektors. "Unsere Programme, die einen sozialen Wandel herbeiführen sollen, wirken respekt- und verständnisfördernd und inspirieren Menschen dazu, sich für ihre Gemeinschaften und wichtigen Anliegen einzubringen", so die Organisation.

Israel hat im Rahmen seiner Bemühungen für globale Bürgerschaft eine ansehnliche Konfliktlösungsindustrie aufgebaut. So bietet es ausländischen Studenten Mastergraduiertenprogramme an. "Israel verfügt über gut 65 akademische Einrichtungen und Dutzende Konfliktlösungsprogramme. Das sind stattliche Zahlen für ein kleines Land, in dem noch nicht einmal acht Millionen Menschen leben", betont Gad Barzilai, Dekan der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität von Haifa.

Kluft zwischen Expertise und Umsetzung

Doch auf palästinensischer Seite sieht man dies anders. "Dass Israel Konfliktlösungsratschläge gibt, ist ein Widerspruch in sich, denn Israel wendet seine eigenen Empfehlungen nicht an", sagt die ehemalige Al Jazeera-Korrespondentin und Sprecherin der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA), Nour Odeh.

Doch Barzilai zufolge lehnen die meisten Universitätslehrkräfte und –wissenschaftler die israelische Besatzung ab. Sie engagierten sich zudem viel stärker als ihre US-amerikanischen Kollegen für die Menschenrechte, betont er. "Israel sieht sich mit ungeheuren Sicherheitsherausforderungen konfrontiert, was in der Diskussion berücksichtigt werden sollte. Das Land liegt inmitten der Unruheregion Nahost, und der Islamische Staat (IS) ist keine 15 Kilometer entfernt."

Doch Odeh zufolge beruft sich Israel bereits seit seiner Gründung 1948 auf die eigene Sicherheit. Das Argument wirke fast schon wie eine sich selbsterfüllende Prophezeiung und werde als Rechtfertigung der Besatzung eingesetzt. Und während die Regierung die Notwendigkeit der eigenen Sicherheit betone, gingen Menschenrechtsverletzungen und Siedlungsbau in den Palästinensergebieten unvermindert weiter, wodurch der Konflikt weiter befeuert werde.

Barzilai zufolge veranstaltet die juristische Fakultät in Haifa jährlich rund 40 Konferenzen, die sich mit den Menschenrechten im Gazastreifen, dem Völkerrecht und der Rechtsstaatlichkeit unter extrem schwierigen Bedingungen beschäftigen. Wie er hervorhebt, engagieren sich zudem zahlreiche Studenten für die Menschenrechte. Außerdem unterhält die Universität Menschenrechtsberatungsstellen ('legal clinics').

Wie der Professor weiter berichtet, sind Israelis bereits in jungen Jahren mit den Problemen des Landes mit seinen Nachbarn vertraut. So werde an allen israelischen Schulen mindestens ein Programm zum Thema Demokratie durchgeführt.

Bei der Frage der Konfliktlösung gehen die Meinungen der Israelis – je nach politischer Zugehörigkeit – weit auseinander. Rechte und linke Kräfte hätten jeweils die Hälfte der Israelis hinter sich, berichtet Barzilai. Für 30 Prozent aller Israelis seien die Menschenrechte wichtiger als die Sicherheit. 70 Prozent hingegen gäben der Sicherheit den Vorzug.

"Die Raketenangriffe (der Hamas) aus dem Gazastreifen (auf Israel) haben die öffentliche Meinung stark polarisiert", so Barzilai. So gibt es Israelis, die für eine militärische Lösung sind, und andere, die sich eine friedliche Lösung des Konflikts wünschen. "Auch wenn Israel noch nie zuvor eine so rechte Regierung wie unter Ministerpräsident Benjamin Netanyahu gehabt habe – bewege sie sich mit ihrer Palästinenserpolitik auf dünnem Eis.

Eine Ansicht, der Odeh widerspricht. "Israels Siedler sind Teil der Regierung und fast alle israelischen Regierungen haben die Siedlungen politisch und wirtschaftlich unterstützt. Was Israelis unter Besatzung verstehen, deckt sich nicht unbedingt mit internationalem Recht. Viele Israelis sind für die Trennmauer, die großen Siedlungen blieben bestehen und die Judaisierung Ostjerusalems geht weiter."

Odeh zufolge weigern sich die Israelis, die historischen Hintergründe des Konflikts und die Enteignung der Palästinenser anzuerkennen. "Denken wir nur an das, was Netanjahu bei seinem Wahlsieg 1996 gesagt hat: dass es keine Palästinenser gibt."

Studenten erarbeiten Konfliktlösungsvorschläge

Keren Sharvit leitet das interdisziplinäre und sozialwissenschaftlich ausgerichtete internationale Masterprogramm für Friedens- und Konfliktforschung der Universität Haifa. Die Mehrzahl der Studierenden kommt aus dem Ausland, wie sie berichtet. "Meine Studenten setzen sich mit Konflikten zwischen gesellschaftlichen Gruppen, Gemeinschaften und Ethnien auseinander."

Was den israelisch-palästinensischen Nahostkonflikt betrifft, hätten einige der Studierenden lokale Konzepte für ein friedliches Miteinander entwickelt. Andere forschten nach staatlichen Maßnahmen, die das Verständnis zwischen Juden und Arabern, die sich als Bürger zweiter Klasse behandelt fühlten, verbessern sollen. Und wieder andere hätten die internationalen Strategien im Blick.

Obwohl das Programm erst seit vier Jahren läuft, haben es einige Studenten zum Teil weit gebracht. So wird das Haifa-Zentrum für Dialog und Konfliktlösung, das von den Stadtbehörden eingerichtet wurde, von einem ihrer Graduierten koordiniert. Ein weiterer hat für 'Givat Haviva' ein Programm entwickelt.

Givat Haviva ist eine Bildungs- und Begegnungsstätte, die sich aktiv für eine tolerante und friedliche Gesellschaft einsetzt. Sie ist die älteste und größte israelische Einrichtung im Bereich der jüdisch-arabischen Verständigungsarbeit und wirbt für einen kulturellen und religiösen Pluralismus.

Sharvit zufolge machen sich viele Israelis keine Gedanken darüber, wie der Konflikt mit den Arabern beigelegt werden könnte. "Wenn wir aber unsere politischen Probleme lösen wollen, müssen wir viel mehr Bildungsarbeit leisten", sagt sie. (Ende/IPS/kb/21.09.2015)

*IDN-InDepthNews ist Kooperationspartner von IPS

Bild:

http://www.indepthnews.info/images/hebron%20btz2.jpg

'Breaking The Silence' bietet Führungen durch Hebron an, die den Teilnehmern einen Eindruck vom Leben unter israelischer Besatzung geben soll – Bild: Mel Frykberg/IPS

Link:

http://www.indepthnews.info/index.php/global-issues/2406-how-israel-contributes-to-global-citizenship

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